VersDeutsch Luther 1912Latein Vulgata
1Er sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, daß man allezeit beten und nicht laß werden solle,Dicebat autem et parabolam ad illos, quoniam oportet semper orare et non deficere,
2und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen.dicens: Judex quidam erat in quadam civitate, qui Deum non timebat, et hominem non reverebatur.
3Es war aber eine Witwe in dieser Stadt, die kam zu ihm und sprach: Rette mich von meinem Widersacher!Vidua autem quædam erat in civitate illa, et veniebat ad eum, dicens: Vindica me de adversario meo.
4Und er wollte lange nicht. Darnach aber dachte er bei sich selbst: Ob ich mich schon vor Gott nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue,Et nolebat per multum tempus. Post hæc autem dixit intra se: Etsi Deum non timeo, nec hominem revereor:
5dieweil aber mir diese Witwe so viel Mühe macht, will ich sie retten, auf daß sie nicht zuletzt komme und betäube mich.tamen quia molesta est mihi hæc vidua, vindicabo illam, ne in novissimo veniens sugillet me.
6Da sprach der HERR: Höret hier, was der ungerechte Richter sagt!Ait autem Dominus: Audite quid judex iniquitatis dicit:
7Sollte aber Gott nicht auch retten seine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's mit ihnen verziehen?Deus autem non faciet vindictam electorum suorum clamantium ad se die ac nocte, et patientiam habebit in illis?
8Ich sage euch: Er wird sie erretten in einer Kürze. Doch wenn des Menschen Sohn kommen wird, meinst du, daß er auch werde Glauben finden auf Erden?Dico vobis quia cito faciet vindictam illorum. Verumtamen Filius hominis veniens, putas, inveniet fidem in terra?
9Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichnis:Dixit autem et ad quosdam qui in se confidebant tamquam justi, et aspernabantur ceteros, parabolam istam:
10Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.Duo homines ascenderunt in templum ut orarent: unus pharisæus et alter publicanus.
11Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.Pharisæus stans, hæc apud se orabat: Deus, gratias ago tibi, quia non sum sicut ceteri hominum: raptores, injusti, adulteri, velut etiam hic publicanus:
12Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich habe.jejuno bis in sabbato, decimas do omnium quæ possideo.
13Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!Et publicanus a longe stans, nolebat nec oculos ad cælum levare: sed percutiebat pectus suum, dicens: Deus propitius esto mihi peccatori.
14Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.Dico vobis, descendit hic justificatus in domum suam ab illo: quia omnis qui se exaltat, humiliabitur, et qui se humiliat, exaltabitur.
15Sie brachten auch junge Kindlein zu ihm, daß er sie anrühren sollte. Da es aber die Jünger sahen, bedrohten sie die.Afferebant autem ad illum et infantes, ut eos tangeret. Quod cum viderent discipuli, increpabant illos.
16Aber Jesus rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes.Jesus autem convocans illos, dixit: Sinite pueros venire ad me, et nolite vetare eos: talium est enim regnum Dei.
17Wahrlich ich sage euch: Wer nicht das Reich Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.Amen dico vobis, quicumque non acceperit regnum Dei sicut puer, non intrabit in illud.
18Und es fragte ihn ein Oberster und sprach: Guter Meister, was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?Et interrogavit eum quidam princeps, dicens: Magister bone, quid faciens vitam æternam possidebo?
19Jesus aber sprach zu ihm: Was heißest du mich gut? Niemand ist gut denn der einige Gott.Dixit autem ei Jesus: Quid me dicis bonum? nemo bonus nisi solus Deus.
20Du weißt die Gebote wohl: "Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren."Mandata nosti: non occides; non mœchaberis; non furtum facies; non falsum testimonium dices; honora patrem tuum et matrem.
21Er aber sprach: Das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf.Qui ait: Hæc omnia custodivi a juventute mea.
22Da Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Es fehlt dir noch eins. Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach!Quo audito, Jesus ait ei: Adhuc unum tibi deest: omnia quæcumque habes vende, et da pauperibus, et habebis thesaurum in cælo: et veni, sequere me.
23Da er aber das hörte, ward er traurig; denn er war sehr reich.His ille auditis, contristatus est: quia dives erat valde.
24Da aber Jesus sah, daß er traurig war geworden, sprach er: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!Videns autem Jesus illum tristem factum, dixit: Quam difficile, qui pecunias habent, in regnum Dei intrabunt!
25Es ist leichter, daß ein Kamel gehe durch ein Nadelöhr, denn daß ein Reicher in das Reich Gottes komme.facilius est enim camelum per foramen acus transire quam divitem intrare in regnum Dei.
26Da sprachen, die das hörten: Wer kann denn selig werden?Et dixerunt qui audiebant: Et quis potest salvus fieri?
27Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.Ait illis: Quæ impossibilia sunt apud homines, possibilia sunt apud Deum.
28Da sprach Petrus: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.Ait autem Petrus: Ecce nos dimisimus omnia et secuti sumus te.
29Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Es ist niemand, der ein Haus verläßt oder Eltern oder Brüder oder Weib oder Kinder um des Reiches Gottes willen,Qui dixit eis: Amen dico vobis, nemo est qui reliquit domum, aut parentes, aut fratres, aut uxorem, aut filios propter regnum Dei,
30der es nicht vielfältig wieder empfange in dieser Zeit, und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.et non recipiat multo plura in hoc tempore, et in sæculo venturo vitam æternam.
31Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn.Assumpsit autem Jesus duodecim, et ait illis: Ecce ascendimus Jerosolymam, et consummabuntur omnia quæ scripta sunt per prophetas de Filio hominis:
32Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet und geschmähet und verspeiet werden,tradetur enim gentibus, et illudetur, et flagellabitur, et conspuetur:
33und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er wieder auferstehen.et postquam flagellaverint, occident eum, et tertia die resurget.
34Sie aber verstanden der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das Gesagte war.Et ipsi nihil horum intellexerunt, et erat verbum istud absconditum ab eis, et non intelligebant quæ dicebantur.
35Es geschah aber, da er nahe an Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte.Factum est autem, cum appropinquaret Jericho, cæcus quidam sedebat secus viam, mendicans.
36Da er aber hörte das Volk, das hindurchging, forschte er, was das wäre.Et cum audiret turbam prætereuntem, interrogabat quid hoc esset.
37Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber.Dixerunt autem ei quod Jesus Nazarenus transiret.
38Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein!Et clamavit, dicens: Jesu, fili David, miserere mei.
39Die aber vornean gingen, bedrohten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich mein!Et qui præibant, increpabant eum ut taceret. Ipse vero multo magis clamabat: Fili David, miserere mei.
40Jesus aber stand still und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe zu ihm brachten, fragte er ihnStans autem Jesus jussit illum adduci ad se. Et cum appropinquasset, interrogavit illum,
41und sprach: Was willst du, daß ich dir tun soll? Er sprach: HERR, daß ich sehen möge.dicens: Quid tibi vis faciam? At ille dixit: Domine, ut videam.
42Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! dein Glaube hat dir geholfen.Et Jesus dixit illi: Respice, fides tua te salvum fecit.
43Und alsobald ward er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das solches sah, lobte Gott.Et confestim vidit, et sequebatur illum magnificans Deum. Et omnis plebs ut vidit, dedit laudem Deo.